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Box-Improvisation


In einem Film1) sieht man Steve Coleman in einem Box-Klub2) zunächst folgendes Gespräch führen:

Steve Coleman: Ich bin nur Musiker, habe aber immer Musik mit Boxen in Verbindung gebracht.

Boxer: Ja, Musik ist mit Boxen verbunden.

Steve Coleman: Ja. Muhammad Ali hat Musiker in sein Lager gebracht - in das Trainingslager, das er in Pennsylvania gegründet hatte. Er hat Musiker hergebracht, um sich zu unterhalten und auf andere Gedanken zu kommen.

Boxer: Alle möglichen Musiker?

Steve Coleman: Ja, sehr oft waren es Schlagzeuger. Manchmal Stepptänzer. Sugar Ray Robinson hatte einen Jazzclub in Harlem. In dieser Zeit war die Segregation noch sehr stark. Das Boxen war so ziemlich der einzige mögliche Sport für Schwarze. Musiker und Boxer waren sich sehr nahe. Es gab nur die Boxer und die “Negro league” [“Neger-Liga”] im Baseball. Sie waren alle schwarz. Sie konnten nicht mit den Weißen spielen. Und es gab die Musiker. Harlem, das war alles eine segregierte Sache. All die Leute wie Duke Ellington und Sugar Ray Robinson waren sich sehr nahe. Es gibt einen Typen, der Roy Haynes heißt, er ist Schlagzeuger. Er ist 1925 geboren. Ich habe letztes Jahr mit ihm gesprochen. Er wusste, dass ich am Boxen interessiert bin, und er sagte mir: Damals war das der einzige Sport. Alle Musiker waren am Boxen interessiert, Charlie Parker, all diese Leute. Denn die schwarze Gemeinschaft war viel enger beisammen, denn das musste sie auch sein. Da gab es gar keine andere Wahl.

Der Boxer trainiert dann an einer Schlagbirne, während Steve Coleman zum Rhythmus der Schläge des Boxers auf dem Saxofon spielt. Danach findet folgende kurze Konversation statt:

Steve Coleman: Gehst du von einem Sack zum anderen oder bleibst du beim selben?

Boxer: Mehrere, warum nicht?

Steve Coleman: (lacht) Fang an, ich folge dir!

Der Boxer trainiert an einem Sandsack (später an einem anderen) und Steve Coleman improvisiert wiederum zum Rhythmus der Schläge. Danach sieht man sie wieder kurz miteinander sprechen:

Steve Coleman: Oh, Mann.

Boxer: Das war cool.

Steve Coleman: Respekt! … [Du hast] alles in den Fäusten, wie ich sehe.

Boxer: Du hast noch nichts gesehen. Ich habe Musik in mir.

Steve Coleman: Wie James Brown.

Schließlich:

Boxer: Ich sollte wieder zum Training gehen.

Steve Coleman: Wenn die Jungen da sind, ist es voll?

Boxer: Ja, an manchen Tagen ist es komplett voll.

Dieser Teil des Films, der Steve Colemans Experiment mit einem Boxer darstellt, ist knapp 10 Minuten lang.

 

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Fußnoten können direkt im Artikel gelesen werden, wenn man mit der Maus den Pfeil über die Fußnoten-Zahl führt.

  1. New York Jazzed Out von Mathieu Mastin und Jeremiah, produziert von Kidam Mezzo Paradoxal Inc., 2011; Übersetzungen von mir – Der Steve Colemans Box-Experiment betreffende Teil des Films ist als YouTube-Video verfügbar; Internet-Adresse: http://www.youtube.com/watch?v=Taw1rAObDbk
  2. Box-Klub Sadam Ali Boxing Gym von Sadam „World Kid“ Ali, im Viertel Bay Ridge des New Yorker Stadtteils Brooklyn

 


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