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„Land der Schwarzen”


Chancellor Williams wurde 1898 in South Carolina geboren, schloss 1935 an der afro-amerikanischen Howard Universität in Washington ein Geschichtsstudium und später ein Soziologiestudium ab und wurde 1961 dort selbst Professor für Geschichte. Im Jahr 1971 wurde sein Buch The Destruction of Black Civilization veröffentlicht, in dem er Folgendes behauptete: Die Menschen, die in einer frühen geschichtlichen Phase (ungefähr 3000 bis 2000 v.Ch.) Ägypten beherrschten, die berühmten Pyramiden von Gizeh errichteten, das Dynastien-System sowie die Hieroglyphen-Schrift einführten, seien „schwarze“ Afrikaner gewesen und aus dem Süden (Sudan, Äthiopien) gekommen, wo das Zentrum ihres Reichs und ihrer Kultur gewesen sei. Mit dieser Behauptung widersprach er jenen geschichtlichen Darstellungen, die der „schwarzen Rasse“ die Fähigkeit absprachen, Zivilisation hervorzubringen, und Afro-Amerikaner damit bereits im Schulunterricht demütigten. Als Gegenpol zur griechisch-römischen Antike, die in „weißen“ Kreisen häufig als Ursprung einer angeblichen kulturellen Überlegenheit ihrer „Rasse“ angesehen wurde, postulierte Williams ein noch früheres goldenes Zeitalter „schwarzer“ ägyptisch-äthiopischer Kultur.

Williams Auffassungen liegen auf einer historisch weit zurückreichenden ideologischen Linie, die in den 1980er Jahren in die „Afrozentrismus“ genannte Bewegung mündete. Diese Linie verfolgte vor allem das Ziel, rassistische Abwertungen abzuwehren sowie das beeinträchtigte Selbstwertgefühl von Afro-Amerikanern zu stärken, und blieb dabei im Grunde häufig den Denkmustern der diskriminierenden Ideologien verhaftet. Afrozentrische Behauptungen scheinen daher großteils ihren politischen Zweck in einer wenig differenzierten, eher plakativen und nicht unbedingt um Objektivität bemühten Weise zu verfolgen. Wesentlich wichtiger als Wissenschaftlichkeit scheint dieser Bewegung die Wirkung ihrer Botschaft gewesen zu sein und in dieser Hinsicht war sie durchaus erfolgreich und für Künstler inspirierend.1)[+]

Auch Williams Buch bildet trotz seines akademischen Status als Geschichtsprofessor keine Ausnahme von der aus wissenschaftlicher Sicht bestehenden Fragwürdigkeit des Afrozentrismus. Seine Argumentation bewegt sich mit Begriffen wie einer „schwarzen“ und einer „weißen“ „Rasse“ in Kategorien, deren Absurdität keiner Erklärung mehr bedarf, und seine Darstellung des Verlaufs alt-ägyptischer Geschichte liest sich mitunter wie eine extrem vereinfachende Verbildlichung in einem Märchen, zum Beispiel in folgender Aussage: Der Nil habe das obere Äthiopien in der Nahrungsproduktion so ergiebig gemacht, dass es nicht nur als „Brotkorb der Welt“, sondern auch für seine weit fortgeschrittene Zivilisation weltberühmt geworden sei. Das habe den Neid von Asien und Europa geweckt, worauf sich Einwanderer aus diesen Kontinenten niederzulassen begonnen hätten.2) Wie soll „die Welt“ von Äthiopiens angeblichem Reichtum Jahrtausende vor Christus (ohne Fernsehgeräte und Zeitungen) erfahren haben und die Kontinente Europa und Asien, die noch von niemandem in dieser Weise gedacht wurden, Neid empfunden haben?

 

Williams Aussagen im Einzelnen

ZUSAMMENFASSENDE DARSTELLUNG
Nach einem Artikel3) der Journalistin Deborah Gabriel, die an britischen Universitäten lehrte4), enthält Chancellor Williams Buch The Destruction of Black Civilization (1971) unter anderem folgende Aussagen:

Die Geschichte der „schwarzen Rasse“ habe in Äthiopien und im Sudan begonnen. Sudan bedeute „Land der Schwarzen“. In der Frühzeit habe das obere Äthiopien eine reichhaltige Nahrungsproduktion hervorgebracht, was Völker aus Asien und Europa veranlasst habe, sich in Afrika niederzulassen. Die asiatische und europäische Besetzung der nordafrikanischen Küsten sei leicht gewesen und zunächst von der einheimischen „schwarzen“ Bevölkerung als Handelsgelegenheit begrüßt worden. Doch dann hätten arme Nomaden die fruchtbarsten und zugänglichsten Gebiete Nordafrikas zu überfluten begonnen. Die schwächeren und gefügigeren „Schwarzen“ seien in den von Asiaten besetzten Gebieten geblieben und Arbeitssklaven geworden. Der Handel mit „schwarzen“ Frauen zu sexuellen Zwecken habe die neue Rasse der Afro-Asiaten hervorgebracht, die als „weiß“ oder asiatisch, jedoch nicht als „schwarz“ eingestuft worden seien.

Viele gemischtrassige Afrikaner hätten eine Identität als „Schwarze“ abgelehnt und seien als Ägypter bekannt geworden. Diese gemischtrassigen Afrikaner hätten sich mit ihren asiatischen Vätern verbündet, um die „Schwarzen“ zu versklaven, bis sie alle „Schwarzen“ Nordafrikas in ihrer Hand hatten. Die Asiaten und Europäer hätten sich das beste Viertel des afrikanischen Landes, das fruchtbarste und bewohnbarste, genommen und die restlichen, praktisch unbewohnbaren drei Viertel des Landes den eingeborenen Afrikanern überlassen. Diese seien in ihrem eigenen, riesigen Land ein umherwanderndes, ständig auswanderndes Volk geworden, das einst große, vereinte Nationen bildete, nun jedoch in zahllose kleine, zersplitterte Gesellschaften zerbrochen sei, die einander nicht mehr als Brüder, sondern als Fremde und Feinde betrachteten, woraus sich endlose Kriege ergaben.

Einer der wichtigsten Aspekte von Williams Buch sei die Art, wie er das Jahrhunderte alte rassistische Bemühen von „weißen“ Archäologen und Historikern korrigiere, das Bestehen afrikanischer Zivilisation selbst dann zu leugnen, wenn die Beweise übermächtig sind. Zum Beispiel sei die Große Sphinx von Gizeh ein Porträt des „schwarzen“ Pharaos Khafre und die afrikanischen Merkmale seiner Gesichtszüge seien unverkennbar.

Necheb (Nekheb) sei die afrikanisch-äthiopische Hauptstadt gewesen und Theben sowie Napata die kulturellen Zentren der „schwarzen“ Welt. Es seien „schwarze“ Afrikaner gewesen, die um 3100 vor Christus das Dynastien-System Ägyptens einführten. Die bedeutendsten Pyramiden-Bauer seien aus der vierten Dynastie gekommen, in der die Afrikaner herrschten. Die Afrikaner hätten eine der ältesten Schriftsprachen entwickelt. Ägyptisch sei eine afrikanische Sprache mit späteren Einflüssen, ähnlich wie Arabisch und Swahili (Suaheli).

Ägypten sei einst als Teil der nordöstlichen Region von Äthiopien gebildet worden. Das erste Volk, das Ägypter genannt werden kann, sei halb afrikanisch, halb asiatisch und größtenteils feindselig gegenüber seinen „schwarzen“ Müttern gewesen. Nach Williams könne das Schema der Schwächung der „Schwarzen“ durch ein Ausrichten ihrer halb-„weißen“ Brüder gegen sie nicht überbewertet werden. Diese „schwarzen“ Mütter seien Sklaven geblieben, während ihre „Mulatten“-Söhne und -Töchter frei geboren wurden und als „weiß“ galten.

Ägypten sei ein zweigeteiltes Land gewesen, mit den Arabern oder „farbigen“ Arabern im Norden und den Afrikanern im Süden. In der Frühgeschichte hätten die Afrikaner in einer langen Reihe von Kriegen zurückgeschlagen, um ihr früheres Heimatland entlang des Mittelmeers zurückzuerobern. Es gebe bereits aus der Zeit des Endes des vierten Jahrtausends vor Christus und vor der ersten Dynastie Ägyptens Belege für einen großen Sieg der Afrikaner über die Asiaten im Norden.

Der afrikanische König Menes habe zu Beginn der ersten Dynastie die Asiaten besiegt und ganz Ägypten unter afrikanischer Führung geeint. Der bedeutendste Teil der schwarz-afrikanischen Geschichte habe sich in Ägypten entwickelt. Es habe in der frühen Zeit zahllose Kämpfe zwischen Afrikanern, „Mulatten“ und Asiaten gegeben. Die Afrikaner hätten manchmal gesiegt, letztlich aber ganz Ägypten verloren. Im alten Nubien, zwischen dem ersten und dem sechsten Katarakt, hätten die Afrikaner die große Zivilisation entwickelt, doch hätten Eindringlinge das afrikanische Schaffen als ihr eigenes ausgegeben.

„Schwarze“ im südlichen Äthiopien seien gegenüber Afro-Asiaten feindselig gewesen, weil sie sie nicht als wahre Afrikaner betrachteten, sondern eine aus vielen Rassen vermischte Rasse. Williams zufolge seien die „Weißen“ der traditionelle, unaufhörliche und unerbittliche Feind der „Schwarzen“.

„Schwarze“ müssten eine eigene Ideologie entwickeln, eine afrozentrische Ideologie. Der Rassismus werde nie verschwinden. „Schwarze“ müssten das zur Kenntnis nehmen. Williams sei ein starker pan-afrikanischer Führer gewesen, kritisierte allerdings, dass zu den pan-afrikanischen Kongressen, die alle Menschen mit afrikanischer Herkunft auf der Welt vereinigen sollten, auch Araber eingeladen wurden, da sie in seinen Augen „weiß“ waren.

 

EINZELNE AUSSAGEN
Bereits bevor er (Williams) die High-School verließ, habe er durch Lesen aller Bücher, die er über die „afrikanische Rasse“ finden konnte, erfahren, dass (1) das „Land der Schwarzen“ nicht nur die „Wiege der Zivilisation“ war, sondern die „Schwarzen“ einst das führende Volk auf Erden war, dass (2) Ägypten nicht nur einst ganz „schwarz“ war, sondern auch der Name „Ägypten“ von den „Schwarzen“ kam und dass (3) die „Schwarzen“ die Pioniere in Wissenschaft, Medizin, Architektur, Schrift, Steinbau und so weiter waren. Die große unbeantwortete Frage sei jedoch gewesen, wie diese weit fortgeschrittene „schwarze“ Zivilisation so gründlich zerstört werden konnte.5)

In seiner Forschung sei er unter anderem folgenden Fragen nachgegangen: (1) Wie konnte das gänzlich „schwarze“ Ägypten zum gänzlich „weißen“ Ägypten werden? (Man solle beachten, dass „Mischlinge“ in Ägypten, ganz Nordafrika und im mittleren Osten als „Weiße“ eingestuft worden seien.) (2) Was waren einige der spezifischen Details in dem Prozess, der dazu geführt hat, dass die Leistungen der afrikanischen „Rasse“ so vollständig aus den Analen der Geschichte gelöscht wurden? Wie konnte das in einem so universalen Ausmaß geschehen? (3) Wie und unter welchen Umständen verloren die Afrikaner, die unter den ersten Erfindern der Schrift waren, diese Kunst fast vollständig? (4) Gibt es eine einheitliche afrikanische „Rasse“? (5) Wenn sie eine „Rasse“ oder ein Volk bilden, wie lässt sich die sprachliche, kulturelle Vielfalt und Gruppierung in Stämme erklären? (6) Gibt es eine historische Erklärung für die Uneinigkeit, den Selbsthass und die Feindseligkeit untereinander, die nach seinem Eindruck stärker sind als unter anderen Völkern. (7) Und wie ist, in irritierendem Gegensatz dazu, die unsterbliche Liebe der „Schwarzen“ zu ihren europäischen und asiatischen Eroberern und Versklavern zu erklären?6)

Europa und Asien habe all das historische Material aus Afrika verschleppt („Raub Afrikas“), das er gleich zu Beginn seiner Erforschung sehen und studieren musste. Die Museen in verschiedenen Städten der europäischen Kolonialmächte seien die Aufbewahrungsorte von viel afrikanischer Geschichte. Dokumente als Quellen seien sowohl in Europa als auch in Amerika verfügbar – Berichte von Kolonialverwaltern in Afrika, Parlamentsdebatten, Berichte und Briefe von Geographen, Forschern, Sklavenschiffskapitänen und – besonders lohnend – die Berichte und Briefe von Missionaren an die Büros ihrer jeweiligen Heimat. Von den frühesten Zeugnissen über das alte Afrika aus Europa, seien die griechischen und römischen Quellen die nützlichsten gewesen.7)

Seine Feldstudien in Afrika hätten zwei Jahre in Anspruch genommen. Ausgestattet mit ziemlich solidem Hintergrund durch geschriebene Dokumente sei sein Hauptaugenmerk nun auf die mündlich überlieferte Geschichte und die Entwicklung von Methoden der historischen Kritik, die auf sie anwendbar sind, gerichtet gewesen. (Mehrere Kapitel würden erforderlich sein, um die Methoden und Vorgangsweisen in diesem relativ neuen Feld der mündlichen Überlieferung im Einzelnen darzustellen.) Jede Region des „schwarzen“ Afrika sei behandelt worden: 26 Nationen in Ost-, West-, Zentral- und Süd-Afrika sowie 105 Sprachgruppen. – Er habe in den Ländern am Mittelmeer begonnen und sei dann an beiden Seiten des Nils nach Süden bis zum zehnten Breitengrad gegangen, was somit Axum und die benachbarten Königreiche eingeschlossen habe. Dieses riesige Gebiet sei das alte äthiopische Reich, ein Verband aus autonomen und halb-autonomen Königtümern, gewesen. Seine Studie habe dort begonnen, vor allem weil das das Kernland der afrikanischen Rasse gewesen sei, wo der Beleg für diese erste „schwarze“ Zivilisation gefunden werden sollte, trotz der Jahrhunderte langen Bemühungen, ihn zu zerstören. – Eine Kontinent-weite Studie der traditionellen Gewohnheitsrechte der „Schwarzen“ habe ihm zum Beispiel erstmals gezeigt, dass ein gemeinsames Verfassungssystem im gesamten Schwarz-Afrika vorherrsche, so als würde die gesamte Rasse, ungeachtet der zahllosen Unterschiede in der Sprache und in anderen örtlich bedingten kulturellen Mustern, unter einer gemeinsamen Regierung leben. Eine ähnliche Studie der sozialen und ökonomischen Systeme durch die Jahrtausende hindurch zeige dieselben übergreifenden Muster der Einheit und Gleichartigkeit aller grundlegenden Institutionen.8)

Eine der fruchtbarsten Quellen für das Studium sei völlig unbeabsichtigt von einem „weißen“ Wissenschaftler gekommen, und zwar durch einen Kurs in Oxford mit dem Thema „Die Geschichte des Kolonialismus in Afrika“. Professor Madden habe in seinem Vortrag dargelegt, wie schwierig, mitunter unmöglich es war, die Afrikaner im Hinblick auf deren „wildes und sehr primitives System von Demokratie“ zu regieren. Sobald ein König oder Häuptling daranging, britische Gesetze zu vollziehen, die den Leuten missfielen, „enthoben sie ihn seines Amtes“, sodass diese „primitive afrikanische Demokratie erst einmal beseitigt werden musste“, bevor das britische System der indirekten Herrschaft wirksam werden konnte. Diese spöttische Bemerkung eines angesehenen britischen Historikers habe ihm ein ganzes neues Feld der Forschung offenbart und ihn zum Studium einer der bedeutendsten Entwicklungen in der gesamten Geschichte der „schwarzen Rasse“ geführt: eines alten Systems von Demokratie, das bereits vor dem der Griechen existierte und von einer Kontinent-weiten Verfassung hervorgebracht wurde, die das gesamte afrikanische Volk als einheitliche Rasse regierte. Zu dieser äußerst wichtigen Erkenntnis sei er durch vergleichende Studien des afrikanischen Gewohnheitsrechts in allen Regionen des Kontinents gelangt. Die Europäer seien mit einer echten Sozial-Demokratie konfrontiert gewesen, die schon lange bestand, bevor die Begriffe „Sozialismus“ und „Demokratie“ im Westen erfunden wurden. Für Dr. Madden sei sie „wild“ gewesen, da die Leute nicht nur in der Theorie, sondern tatsächlich die wahren Herrscher waren.9)

Er schreibe über das afrikanische Volk, nicht über afrikanische Völker. Er beziehe sich hier auf ein Volk, eine „Rasse“, wenn man so will, die afrikanische „Rasse“.10)

In Afrika habe „König“ etwas ganz anderes bedeutet als in Europa oder Asien. Ein „schwarzer“ König sei weit davon entfernt gewesen, sich „aufspielen“ zu können.11)

Seine Arbeit beginne, wo die Geschichte der „Schwarzen“ begann, in Ägypten (Nord-Äthiopien) und im Sudan (Süd-Äthiopien).12)

Die erste Periode beginne mit der „Vorgeschichte“, in erster Linie weil Nowe, eine der ältesten Städte auf der Erde, vor der dokumentierten Geschichte von den „Schwarzen“ gegründet wurde. Ein weiterer bedeutender Grund sei, dass die Kanaaniter und andere „weiße“ Asiaten in prähistorischer Zeit in das Nil-Delta eingedrungen waren und eine Festung im unteren Ägypten (damals Nordost-Äthiopien oder Chem) errichteten. Diese frühe Konzentration von „Weißen“ entlang der Küste des Landes der „Schwarzen“ sei für die „schwarze“ Geschichte ein Umstand von entscheidender Bedeutung, denn genau von dieser Entwicklung ausgehend seien die Errungenschaften der „Schwarzen“ von späteren Autoren überschattet oder gänzlich ausgelöscht worden. „Schwarze“ Spezialisten müssten sich auf diese Region in dieser Periode konzentrieren. Was war zum Beispiel der tatsächliche Einfluss der „weißen“ Asiaten, die für Jahrhunderte strikt im unteren Viertel des Landes zurückgehalten worden seien, auf die „Schwarzen“, die jene Dreiviertel in der Hand hatten, die als Ober-Ägypten bekannt wurden? Überprüfung und eingehende Studien dieser Periode seien erforderlich. Die beste allgemeine Geschichte könne, Region für Region, erst dann geschrieben werden, nachdem die Arbeit der Spezialisten getan wurde. – Als zweite Periode könne die Zeit von der Eroberung Unter-Ägyptens durch den äthiopischen Führer Menes um 3100 v.Ch. bis zum Ende der sechsten Dynastie im Jahr 2181 v.Ch., also dem Ende des alten Königreichs, gelten. Das sei die Zeit gewesen, als Ägypten geboren wurde. Davor habe es kein Ägypten gegeben. Es sei die Periode gewesen, in der „schwarze“ Könige die „beiden Länder“ vereinten, das dynastische Abstammungs-System begründeten und mit dem Aufbau der großartigsten Zivilisation begannen. Die größte eingehende Überprüfung und Konzentration der Erforschung solle auf diese zweite Periode gerichtet sein. Es sei in der Tat das goldene Zeitalter in der Geschichte der „Schwarzen“ gewesen, das Zeitalter, in dem sie durch ihre Leistungen den Höhepunkt des Ruhms so eindrucksvoll erreichten, dass die „westlichen“ und arabischen Autoren sich genötigt sahen, sie mithilfe der bloßen Macht ihrer Stellung auszulöschen und die „schwarze“ Geschichte mehr als 3000 Jahre später beginnen zu lassen. – Die dritte Periode der „schwarzen“ Geschichte in Ägypten solle mit der siebten Dynastie (2181 v.Ch.) beginnen und in die tragischen Perioden des internationalen Aufruhrs und der „weißen“ Invasionen unterteilt werden. Die erste Unterteilung reiche von 2181 bis 2040 v.Ch. und umfasse die siebte bis zehnte Dynastie. Danach solle von der strengen Chronologie abgesehen werden, um sich auf ein einzelnes Thema zu konzentrieren: die Rolle der Invasionen und Eroberungen in der Zerstörung der „schwarzen“ Zivilisation, was zur ethnischen Umwandlung Ägyptens von „schwarz“ zu „braun“ (afro-asiatisch und afro-europäisch) und schließlich zu „weiß“ geführt habe.13)

Ganz Afrika sei ursprünglich Bilad as Sudan, das „Land der Schwarzen“, gewesen. Das äthiopische Reich habe sich einst vom Mittelmeer bis zur Quelle des Nils erstreckt. Selbst noch zu Menes Zeiten (um 3100 v.Ch.) habe Äthiopien Dreiviertel von Ägypten umfasst. Die Asiaten hätten das Delta innegehabt. Deshalb sei Ägypten die „beiden Länder“ gewesen, wie jeder Historiker wisse. – Das Studium der „Schwarzen“ müsse in Ägypten beginnen, denn die Mehrheit der unzerstörbaren Denkmäler sei hier. Viele der Artefakte, die Archäologen in den letzten 75 Jahren als „ägyptische“ entdeckten, seien tatsächlich „afrikanische“. Das Kernland der „schwarzen“ Rasse und die Wiege der Zivilisation seien tatsächlich aber weiter südlich gewesen, unterhalb des ersten Katarakts, konzentriert um die Hauptstädte Napata und Meroe. Von dort habe sich die „schwarze“ Zivilisation nach Norden ausgebreitet und seine spektakulärsten Leistungen in dem erreicht, was als „ägyptische Zivilisation“ bekannt ist.14)

 

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Fußnoten können direkt im Artikel gelesen werden, wenn man mit der Maus den Pfeil über die Fußnoten-Zahl führt.

  1. Näheres dazu im Artikel Afrozentrismus: Link
  2. QUELLE: Chancellor Williams, The Destruction of Black Civilization, 1974/1971, S. 52, Internet-Adresse: https://shazereverquar.files.wordpress.com/2013/04/1-the-destruction-of-black-civiliaztion.pdf
  3. QUELLE: Deborah Gabriel, The legacy of Chancellor Williams in: The Destruction of Black Civilization, 24. Oktober 2005, Internet-Adressen: http://jroan.com/The-legacy-of-Chancellor-Williams-in-The-Destruction-of-Black-Civilization-Part-1.pdf und http://jroan.com/The-legacy-of-Chancellor-Williams-in-The-Destruction-of-Black-Civilization-Part-2.pdf
  4. QUELLE: Internetseite der Universität von Bournemouth, Internet-Adresse: http://staffprofiles.bournemouth.ac.uk/display/dgabriel
  5. QUELLE: Chancellor Williams, The Destruction of Black Civilization, 1974/1971, S. 18, Internet-Adresse: https://shazereverquar.files.wordpress.com/2013/04/1-the-destruction-of-black-civiliaztion.pdf
  6. S. 19f.
  7. S. 20, Punkt 2 und 3
  8. S. 21, Punkt 4
  9. S. 26f.
  10. S. 32
  11. S. 33
  12. S. 37
  13. S. 41f.
  14. S. 46f.

 

 

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