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Magic Malik


Der Flötist Malik Mezzadri („Magic Malik“) wurde 1969 in Elfenbeinküste als Sohn einer Französin und eines West-Afrikaners geboren und wuchs auf der Karibikinsel Guadeloupe auf, wo er ab dem Alter von 13 Jahren klassischen Flötenunterricht erhielt. Mit 17 ging er nach Marseille (Frankreich), studierte dort klassische Musik, wollte dann aber die Improvisation erkunden, die seiner kulturellen Ausrichtung mehr entsprach. Er besuchte deshalb für ein Jahr eine Jazz-Schule in Paris, die er jedoch nicht interessant fand, da er dort nichts Grundlegendes über Improvisation erfahren konnte. Ein großer Gewinn war für ihn in Paris hingegen die lebendige, multikulturelle Musikszene. Er sagte, man könne in einem Pariser Jazz-Club kubanische, indische, afrikanische, serbokroatische Musiker treffen und das sei wunderbar. Mehr als 10 Jahre lang spielte er vor allem in Funk-Jazz-Bands, bis er 1999 sein Magic Malik Orchestra gründete, mit dem er ab dem Jahr 2000 eine Reihe von Alben aufnahm.1)

Er ist ein origineller, virtuoser Improvisator, der trotz des luftigen Tons der Flöte eine beträchtliche Expressivität und Intensität entwickeln kann. Mit seinem Orchestra produzierte er eine unkonventionelle Musik, die viele Einflüsse aus verschiedenen Musikarten und Weltgegenden verbindet. Die Offenheit in alle Richtungen gibt seiner Musik einen frischen, schillernden Charakter und oft steigert sich das bunte, quirlige Gemisch der Klänge zu rauschartigen Schwebezuständen, während er mit aufwühlenden Läufen auf der Flöte antreibt. Die gesamte Band klingt dann ein wenig wie seine manchmal eingestreuten hohen, ekstatischen Gesangsbeiträge.2) Mit dem vielseitigen, anhäufenden, ausufernden Charakter seiner Musik ist allerdings auch ein relativ geringer Grad an Kontur, Klarheit und deutlicher musikalischer Aussage verbunden. Außerhalb der tranceartigen Abschnitte mit gesteigerter Intensität wirkt die Musik großteils diffus. Auch sind außer Mezzadris anheizenden Improvisationen wenig bemerkenswerte solistische Beiträge in seiner Musik zu finden.

Er sagte, dass „wir in Frankreich keine starke Verbundenheit mit dem Jazz der Vergangenheit haben. Als der Jazz aus Amerika Europa erreichte, war er bereits voll entfaltet. Wir hatten auch nicht dieselben Mittel oder Kenntnisse, folglich nehmen wir ihn auch weniger ernst.“3) Die geringe Bindung an die Jazz-Tradition begünstigt zweifelsohne die Offenheit für vielfältige Einflüsse. Doch erreichten die Meister des Jazz gerade dadurch Klarheit, Ausdruckskraft und Tiefgründigkeit, dass sie in der Tradition verwurzelt waren und ihre eigene Musik in der Auseinandersetzung mit der Tradition entwickelten. Traditionen bewahren nicht nur, sondern stellen auch viele Errungenschaften bereit und fordern zu anspruchsvoller und tiefgehender Beschäftigung mit musikalischen Strukturen heraus. Sie filtern in einem längeren Prozess bewährte Ausdrucksmittel heraus, bringen eine spezifische Ästhetik hervor und verfeinern sie. Das Spannungsfeld zwischen Tradition und Offenheit war für das Zustandekommen besonders überzeugender Aufnahmen in der Jazz-Geschichte stets bedeutend.

Im Übrigen sagte Mezzadri: Er habe süd-amerikanische, afrikanische und kubanische Musiker in seiner Band. Er sei auf den westindischen Inseln, auf Guadeloupe, aufgewachsen und die Bevölkerung dort sei aus Afrika gekommen, im Zuge der Sklaverei.4) – Mezzadri ist zwar insofern Europäer, als er in Paris lebt. Seine kulturelle Identität scheint aber mehr mit seiner karibischen Herkunft und den afrikanischen Wurzeln verbunden zu sein.

 

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  1. QUELLEN: Joachim-Ernst Berendt/Günther Huesmann, Das Jazzbuch, 2005, S. 456; Chrissy Persico, Paris Is Still Drawing The Greats, Interview mit Mezzadri, Oktober 2001, Internet-Adresse: https://web.archive.org/web/20070208233811/http://www.findarticles.com:80/p/articles/mi_m1285/is_10_31/ai_78738581
  2. zum Beispiel zu hören im Stück Madness des Albums 69 96 (2000) und im Stück La Somme des Albums Saoule (2008)
  3. QUELLE: Chrissy Persico, Paris Is Still Drawing The Greats, Interview mit Mezzadri, Oktober 2001, Internet-Adresse: https://web.archive.org/web/20070208233811/http://www.findarticles.com:80/p/articles/mi_m1285/is_10_31/ai_78738581
  4. QUELLE: Stuart Nicholson, Europeans Cut In With a New Jazz Sound And Beat, 3. Juni 2001, Zeitung The New York Times, Internet-Adresse: http://www.nytimes.com/2001/06/03/arts/music-europeans-cut-in-with-a-new-jazz-sound-and-beat.html?pagewanted=1

 

 

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