DVD-Film

Elements of One

 

Der auf DVD erhältliche Film Elements of One (2003) von Eve-Marie Breglia begleitet Steve Coleman bei Begegnungen mit wichtigen Einflüssen für seine Musik. Dabei steht weniger seine Musik selbst im Mittelpunkt als diese Inspirations-Quellen und es wird das starke Spannungsverhältnis zwischen seinen ins Esoterische reichenden Ideen und der unmittelbaren, zupackenden Wirkung seiner Musik deutlich.

Im ersten Teil sieht man Steve Coleman im Kontakt mit dem Tenor-Saxofonisten Von Freeman, der hier für den Reichtum und die „Tiefe“ der Jazz-Tradition steht, aus der Coleman seine musikalische Sprache entwickelt hat. - Dann geht es um die afrikanischen Wurzeln, die über Kuba in den Jazz geholt wurden: Coleman ist mit seiner Band nach Kuba gereist. Ein wenig alter afro-kubanischer Kult wird vorgestellt und dann geht es um die Zusammenarbeit der afro-kubanischen Gruppe Afro Cuba de Matanzas mit der Coleman-Band. Es gibt viele kurze, subtile Eindrücke von den begeisterten Musikern und der kubanischen Atmosphäre. - Mit einigen der kubanischen Perkussionisten ist dann die Coleman-Band im Senegal, wo die Afrikaner und Kubaner ihre musikalischen Gemeinsamkeiten entdecken. Wie in Kuba vermittelt der Film die Lebendigkeit, die prallen, intelligenten Rhythmen und leuchtenden Farben. - Die Stimme eines Rappers im Hintergrund bringt den Blues ins Spiel, während der Film an die amerikanische West-Küste führt, wo die Coleman-Band mit Rappern und latein-amerikanischen Perkussionisten mehrere Wochen lang zusammenspielte: Die Musik ist hier „very, very different“ gegenüber den afrikanischen Wurzeln, aber die Verbindung ist doch spürbar. In Amerika fehlt das gleißende Licht Afrikas, das die Farben leuchten lässt, doch im urbanen Matt brennen die Worte, Rhythmen und Ideen. – Danach geht die Reise nach Indien und damit schließlich auch in verstärkt spirituelle Bezüge. Schon zuvor war immer wieder vom Sprach-Charakter und von einer gedanklichen, symbolischen Bedeutung der Rhythmen die Rede. Hier geht es nun darüber hinaus auch um eine Erfahrung jenseits des Unmittelbaren, die in indischen Musikkulturen eine wichtige Rolle spielt. - Die spirituelle Perspektive leitet schließlich über zu Steve Colemans Aufenthalt in Ägypten. An dieser Stelle führt der Film in schwindelerregende esoterische Bereiche, aus denen jedoch wichtige ästhetische Impulse für Colemans Musik kommen, wie anschaulich vermittelt wird. Coleman rechnet grundlegende Zahlenverhältnisse vor, setzt sie in Musik um und gelangt zur Einleitungs-Phrase von John Coltranes Werk A Love Supreme, die Coleman eingewoben in Improvisationen in der Königskammer einer Pyramide spielt, wo durch den Hall ein Geflecht aus Obertönen entsteht (die ja die Zahlenverhältnisse repräsentieren). – Im letzten Teil des Films ist Steve Coleman mit seinem improvisierenden Computer-Programm in Paris zu sehen. Er hat darin ein komplexes System aus verschiedenen Elementen, von ägyptischen Gottheiten über Henry Threadgills Stil bis zu Planeten-Konstellationen, untergebracht und man sieht auch einmal ein Schmunzeln und Augenverdrehen der Musiker seiner Band. Die Aufnahmen enden schließlich mit einem beeindruckenden Zusammenspiel des Schlagzeugers Jean Rickman und des Conga-Spielers Angá Diaz und das bringt wieder jene Seite der Coleman-Musik ins Zentrum, die neben den manchmal irritierenden Ideen-Sphären fast immer ebenso präsent ist: die intensive, unmittelbare Wirkung der Musik.

Der Film vermittelt mit viel Feingefühl eine Menge Eindrücke von der intuitiven Ebene, dem „Feeling“, etwa der spielerischen Lust Steve Colemans, die selbst so eine sperrige Sache wie das improvisierende Computer-Programm mit einem gewissen Charme überzieht.

Trailer mit Bezugsangaben: Link

Zu den im Film dargestellten Projekten siehe auch „Überblick über Steve Colemans Herkunft, Einflüsse und Aktivitäten“: Link

 

 

Gesamtübersicht / Kontakt / Offenlegung